Jedes Jahr am 21. Februar schallt der Ruf „Tjen di Biiki ön!“ („Zündet die Biike an!“) über die Inseln und große Feuer leuchten über der Nordsee, es ist wieder Zeit für das Biikebrennen. Für mich der perfekte Grund die Fototaschen zu packen und nach Amrum zu fahren!

Jedes Mal gleiche Bild: tagelang schichten die Insulaner gesammeltes Strandgut, alte Weihnachtsbäume, trockenen Reisig und vieles mehr zu einem stattlichen Haufen. Im Falle der Ortschaft Nebel auf Amrum ist das Attribut „stattlich“ allerdings eine maßlose Untertreibung, das ist kein Haufen, sondern ein ausgewachsener Berg, ein Riese, sicher größer als die meisten Häuser auf der Insel.

Von Bratwürstchen und Walfängern

Biikebrennen Amrum Nebel 2018 Magisches DeutschlandEndlich kommt der Abend des 21. Februar.

Die Feuerwehr rückt an, natürlich, ein Wohnwagen steht am Rand, aus dem leckere Bratwürste und viel Bier herausgereicht werden, ein paar Touristen und zig Einwohner stehen lachend zusammen. Kinder, Junge, Alte stehen vor dem Haufen als eben dieser Ruf erschallt „Tjen di Biiki ön!“ und die Feuerwehr ihres Amtes waltet, um den riesigen Haufen zu entzünden. Keine so leichte Aufgabe, denn nach dem langen Winter ist das Holz noch feucht, doch irgendwann schaffen sie es und die Flammen lodern in den Himmel. Eine Strohpuppe, das Petermännchen, fliegt durch die Luft und landet im Feuer. Es ist Biikebrennen!

Das Biikebrennen ist seit dem Mittelalter Brauch auf den nordfriesischen Inseln und hat es mittlerweile sogar in die deutsche Unesco-Kulturerbe-Liste geschafft. Ursprünglich wurde das Biike-Feuer (Biike ist das friesische Wort für Feuerzeichen) am Vorabend der beginnenden Waljagd entzündet, so dass die Walfänger am nächsten Tag das Feuer auf ihrem Weg über das Meer noch weithin sehen konnten. Ein Weg, von dem viele nicht mehr zurückkehrten sollten.

Von Bräuchen und Geschichten

Biikebrennen Amrum Nebel 2018 Magisches DeutschlandDie Insulaner hatten schon immer eine solide Abneigung gegen alle Obrigkeit vom Festland. Stoisch, stur und ein bisschen anarchistisch hegten sie eher Sympathien für Klaus Störtebeker als für die Kirche. Die Kirche griff auch hier tief ein in das Leben der Menschen. Am Ende des Winters, am 22. Februar, brachen nicht nur die Walfänger zu ihren ungewissen Fahrten auf, sondern es war auch der in der katholischen Kirche so genannte ‚Petri-Tag‘: der Tag des Oberhauptes der Kirche, vor allem aber der Tag der Abgaben an die Kirche, die Petri-Rechnungen waren fällig. So ist es kein Wunder, dass seither das Petermännchen mit einem grimmigen Lachen ins Feuer geschmissen wird.

Der 21. Februar war aber auch immer schon der Tag des Frühjahrs-Ting, der Tag der Zusammenkunft, der Opfergaben und des Vertreibens des langen Winters. Ein tief heidnischer Brauch, den auch die Kirche nicht vertreiben konnte, den die unglücksbringenden Nazis nicht für sich vereinnahmen konnten und der sich bis heute erhalten hat.

Auch in den modernen Geschichten unserer Medienwelt, wie in dem ziemlich reißerischen Fernsehfilm “Biikebrennen – Der Fluch des Meeres” mit Anja Kling und Christoph Ohrt.

Das Biikebrennen und die Inseln – ein Paradies für Fotografen

Wie eigentlich alle Nordseeinseln ist Amrum ein Paradies für Fotografen, nicht nur, aber besonders im Februar und zur Zeit der großen Biike-Feuer. Mehr über Amrum liest Du im zweiten Teil über die Insel Amrum. Vielleicht hast Du jetzt Lust bekommen, da auch mal hin zu fahren – es lohnt sich, versprochen, trotz oder vielleicht gerade wegen der Winterstürme (hey, genau dafür hat der liebe Gott ja schließlich den Grog erfunden)!

Und wer weiß, vielleicht triffst Du am Abend des Biikebrennens die Liebe Deines Lebens?

Biikebrennen Amrum 2018 – Die Fotogalerie

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Christoph Kopp

Christoph Kopp

bildwerck fotografie+multimedia

Das von Christoph gegründete bildwerck.tv realisiert professionelle Business Videos und Multimedia Marketing für kleine und mittelständische Unternehmen. Seine Leidenschaft für die Fotografie gibt er in individuellen Fotoworkshops weiter, u.a. bereits für die Nikon School Deutschland, Calumet Photographic und den DAV Summit Club.

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